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Tapfheim, 15.11.2017

Gedanken zum Volkstrauertag 2017

Bild Volkstrauertag 2017

Werte Mitbürgerinnen und Mitbürger,


"Wer Bürger dieses Landes ist, muss sich daran erinnern", sagte vor kurzem unser Alt-Bundespräsident Joachim Gauck bei einer Gedenkfeier. Für mich ein passender Einleitungssatz zum Volkstrauertag 2017.


Derer, die ihr Leben fürs Vaterland in den beiden Weltkriegen opfern mussten, wollen wir am kommenden Sonntag gedenken. Dazu lade ich Sie gerne ein und hoffe, Sie mit meinen Gedanken auch zum Kommen zu bewegen.


Ja, wir gedenken dieser jungen Männer, die auf den Kriegsschauplätzen ihr Leben gelassen haben, die meisten noch keine 30 Jahre alt. Mit Friedensmessen, deren Besucherzahl von Jahr zu Jahr sinkt, wurde das Gedenken für viele längst zu einer lästigen Pflicht. Dabei stelle ich mir die Frage, ist das Bewusstsein für unser umsorgtes, freies Leben tatsächlich schon so tief gesunken?


Jeder verzieht sich in sein Kämmerlein und lässt die Welt Welt sein. "Alles gut" so lange mir keiner an den Karren fährt, solange mein Wohlstandsgefüge funktioniert. Und mit einer Protestwahl kann ich ja zeigen, was mir nicht gefällt. Aber, dass mir ja keiner an meiner Meinung rüttelt. Ich will ja auch Frieden haben, vor allem – meinen Frieden will ich haben.


Viele, behaupte ich, stehen hilflos da wenn es darum geht den Frieden zu bewahren, den Frieden zu unterstützen, oder selbst ein Zeichen des Friedens zu setzen. Ich bin der festen Überzeugung, dass das die Ergebnisse unseres Wohlstandes sind.


Wir leben 70, 80, wenn es gut geht vielleicht 90 Jahre auf dieser Welt, Gott gegeben vielleicht auch länger. In Frieden, wohl aufgeklärt und informiert. So könnte es jedenfalls sein. Aber wer Frieden mit "ich will meine Ruhe haben" definiert und Wohlstand mit dem, was er sein Eigen nennt, der ist sehr weit von dem entfernt, was diese Worte ausdrücken und bedeuten.


Wenn sich in einem Staat jeder egoistisch auf das "Ich und Mein" bezieht, funktioniert weder Staat noch Gesellschaft. Wer nicht erkennt, dass man geben muss um etwas zu bekommen, ist arm. Er wird vielleicht reich an Geld, mit dem er sich in seinen Frieden rettet und sich augenscheinlich Freundschaft erkauft. Wahrscheinlich werden ihm viele ins Gesicht lachen und freundlich zunicken, und trotzdem wird er immer der Ärmste und der Einsamste sein, wenn es darum geht, selbstlose Wärme, ehrliche Zuneigung, wahren Respekt und menschliche Liebe zu erfahren. Das ist so, auch wenn es mancher nicht wahrhaben will und im Konsum verdrängt.


Diesen Egoismus, dieses Eigeninteresse und diese Eigennützigkeit stellen immer mehr Menschen in den Vordergrund, ebenfalls die Einstellung, "das geht mich nichts an" und im Zweifel erkauf ich mir mein Recht. Wer so denkt und handelt, der hat den Bezug zur sozialen Gesellschaft, zum Gemeinschaftsgedanken und auch den Weg zur Demokratie längst verloren. Daran ändert auch eine großzügige Spende, die das eigene schlechte Gewissen beruhigt, nichts. Die Grundlage des Friedens sind das Miteinander und das Füreinander - auf der ganzen Welt und auch in unserer Gemeinde.


Wir dürfen und müssen stolz und dankbar sein, in diesem Land des Friedens leben und arbeiten zu dürfen, in Selbstbestimmung, sozial abgesichert und in unantastbarer Würde.


Ich danke jedem, der sich selbstlos und uneigennützig in unserer Gemeinde für andere Menschen einbringt, egal ob in Kirche, Verein oder privat. Auch bin ich den Menschen dankbar, die das Miteinander und die Gemeinschaft aufrechterhalten, die einander helfen und das Bedürfnis des Anderen nicht aus dem Auge verlieren. Jeder von ihnen ist ein Friedensstifter für unsere Gemeinschaft und davon können wir nie genug haben.


Ich hoffe, Sie liebe Leser mit diesen Zeilen wach zu rütteln, nehmen Sie sich ein paar Minuten Zeit und denken Sie nach, was Ihnen der Friede in unserem Land bedeutet. Nehmen Sie sich auch Zeit, darüber nachzudenken, wo Sie selbst etwas dazu beitragen können diesen Frieden zu erhalten. Vielleicht sind sie ja auch so mutig, diesen Friedenswillen mit der Teilnahme an einer unserer Gedenkveranstaltungen zu bekunden.


Karl Malz

1. Bürgermeister

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