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Tapfheim, 09.11.2016

Volkstrauertag 2016

Volkstrauertag 2016

Liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger,

wir alle nehmen gerne, mit dem Geben tut sich aber so mancher schwer. Hierbei geht es aber nicht, wie es vielleicht anmutet, ums Geld. Es geht um mehr.

Jedes Jahr, wenn ich mir die Zeit nehme Vorworte und Ansprachen zum Volkstrauertag zu schreiben, komme ich immer wieder zum gleichen Resümee: Wer will es überhaupt lesen, wer will immer wieder darüber belehrt werden, dass unser selbstverständlicher Wohlstand, so wie wir ihn kennen, einzigartig ist und dass hierzu jeder Einzelne seinen Teil beizutragen hat.

Wie viele von den über 82 Millionen Bundesbürgern machen sich überhaupt noch dieser Tage Gedanken über den Frieden, über das demokratische Freiheitsgebilde Bundesrepublik Deutschland? Dasselbe Beispiel könnte ich aber auch auf jeden kirchlichen Feiertag übertragen. Wen interessiert schon die Kirche, Hauptsache man hat frei und kann ausschlafen.

Die Werteverschiebung hin zu „die Welt hat sich um mich zu drehen“ ist beschämend. Jeder Einzelne trägt in unserer Gesellschaft auch Verantwortung für seine Mitmenschen und das Zusammenleben innerhalb der Gemeinde. An dieser Stelle kommt das Argument: „Ich zahle doch meine Steuern und muss von meinem Lohn das System finanzieren“. Ja, richtig. Aber drehen wir den Stiefel doch einmal um. Was würden Sie mit ihrem vollen Bruttolohn tun? Vielleicht besser leben? Könnten Sie es sich finanziell noch leisten, würden Sie bei Beschwerden einen Arzt aufsuchen. Aber nicht einen, der in Deutschland ausgebildet wurde, denn Universitäten gäbe es in Ihrem System nicht. Sie könnten sich einen Sportwagen kaufen, doch Straßen zum Fahren gäbe es leider nicht. Sie würden alleine für die Erziehung ihrer Kinder zuständig sein, denn eine Kinderbetreuung und ein vielgliedriges Schulsystem wären ebenfalls nicht vorhanden.

Drei einfache Beispiele und wir sind mit unserem selbstverliebten ICH schon am Ende. Auch wenn wir manchmal mit dem System oder der Regierung hadern, so darf trotz all dem das Bewusstsein für die Solidargemeinschaft nicht verloren gehen. Und diese funktioniert bereits seit über 70 Jahren! Anstatt stolz auf die uns gebotenen Sicherheiten zu sein, werden im Rausch des Verlangens und der Unersättlichkeit viele blind für das, was uns dieses Leben überhaupt ermöglicht. Demokratie und Frieden. Egal wie sich die Welt in Zukunft gestaltet, an diesen Dogmen muss bedingungslos festgehalten werden. Wir wollen erreichen, dass noch weitere Generationen unsere Kinder dieses sorgenfreie, friedfertige Leben führen können.

Wir in Deutschland sind verschont von Krieg, von Korruption, Not und Elend. Jeder hat ein Dach über dem Kopf, jeder hat Kleidung und ausreichend zu Essen. Und wer nichts hat, dem wird in unserem Land geholfen. Gott sei Dank ist das so. Jedoch möchte ich persönlich anmerken: „Wem von diesem System geholfen wird, egal welcher Nationalität, Hautfarbe oder Religion, hat auch dessen Gesetze und Regeln zu akzeptieren.“ Wohlstand wird getragen von Solidarität, Demokratie und Frieden.


Ich kann nur hoffen, dass viele sich des Friedens als höchstes Gut und Auslöser unseres Wohlstandes bewusst sind und ich hoffe auch, dass sich möglichst viele jüngere Menschen in unserer Gemeinde über den Inhalt meiner Worte für den kommenden Sonntag Gedanken machen. Für viele, die sich diese Gedanken bewusst machen, würde die Teilnahme an einer der Gedenkfeiern wieder zur Selbstverständlichkeit werden. Ich lade Sie dazu ein.

Karl Malz

1. Bürgermeister

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