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Tapfheim, 11.11.2015

Gedanken zum Volkstrauertag 2015

„Niemand erwartet von den Nachgeborenen, dass sie sich schuldig fühlen angesichts von Taten, die lange vor ihrer Geburt von Deutschen im Namen Deutschlands begangen wurden. Zur Verantwortung für das eigene Land gehört der Wille, sich der Geschichte dieses Landes im Ganzen bewusst zu werden."
Volkstrauertag 2015

Diesen Satz von Prof. Dr. Heinrich August Winkler möchte ich als Leitgedanken unseres diesjährigen Volkstrauertages voranstellen.

2015 jährt sich das Ende des 2. Weltkrieges zum 70. Mal. Wieder mahnen wir mit Zahlen: 55 Mio. Opfer weltweit in nur sechs Jahren. Noch deutlicher: Jede Minute des Krieges verloren 17 Menschen ihr Leben. Die deutsche Kapitulation am Ende eines Irrweges deutscher Geschichte. Dem Volk wurde suggeriert durch diesen Krieg Hoffnung auf eine bessere Zukunft zu haben. Der Nachkriegsgeneration war die Erfahrung der Vergangenheit mit Hunger, Not und Tod noch Warnung und Mahnung genug. Doch heute liegen bereits mehrere Altersstufen dazwischen und die wirtschaftliche Situation hat sich zum Besten gewandt. Was bitte soll der heutigen und dernachfolgenden Generation aufzeigen, dass der Krieg das Schlimmste aller Szenarien ist, die ein Volk über sich ergehen lassen muss?

Der Krieg ist uns beileibe nicht fremd. Täglich, ja stündlich, wird uns in den Medien berichtet wo überall auf der Welt Menschen den Kriegen zum Opfer fallen. In einer überheblichen Selbstverständlichkeit schalten wir ab, oft mit den Gedanken „die sind ja selber schuld, und ich kann denen sowieso nicht helfen. Ich hab andere Probleme.” Wirklich? Unsere, wenn auch noch so dramatisch beschriebene Lebenssituationen werden der einer Kriegsgeneration nie vorangestellt werden können. Ich behaupte, einzig wer um sein Leben oder das seiner Angehörigen bangen muss, kann das damals alltägliche und im ganzen Volk verbreitete Gefühl der Hilflosigkeit erahnen. Hoffnungslos einem machthaberischen Regime ausgeliefert zu sein, dessen Herrschaftsmittel aus Hass, Angst, Vernichtung und Selbsterhalt bestand. Angesichts der damaligen wirtschaftlichen und sozialen Situation der ideale Nährboden für die kriegslüsterne Staatsmacht. Es war seinerzeit mit einfachsten Mitteln gelungen Menschen gegeneinander aufzuwiegeln und mit Hasspredigten einen Keil in die Gesellschaft zu treiben.


Denn was passiert, wenn der inzwischen am längsten währende Frieden in unserer bestorganisierten sozialen Gesellschaft auch innerhalb der deutschen Grenzen - durch falsche Existenzängste geschürt - in Frage gestellt wird? Frieden erfordert Perspektiven und Lösungen, gerade heute da Menschen berechtigterweise beunruhigt sind, was auf sie zukommt. Diese Verunsicherung befugt aber noch lange nicht dazu, Menschen, die auf der Flucht sind, zu verurteilen, zu schänden, zu bedrohen oder gar zu töten. Wir helfen so gut es in unserer Macht steht. Das sehe ich als unsere humanitäre Pflicht. Dennoch muss die Frage an die deutsche und europäische Politik erlaubt sein: „Wo ist Eure Solidarität in der Lösung dieses Weltproblems an das unweigerlich unzählige Menschenleben gekettet sind?“


Aus der Vergangenheit und den Erkenntnissen zweier Kriege sollten wir lernen, Schlüsse für die Zukunft daraus zu ziehen. Schuldig muss und darf sich heute für die damaligen Verbrechen am deutschen Volk und der Kriegsgegner keiner fühlen. Aber dennoch halte ich es für wichtig an diese Schreckenszeit zu erinnern, der auch viele unserer Angehörigen zum Opfer gefallen sind. Daran zu mahnen und uns ein damit ständiges Beispiel vor Augen zu halten was nie mehr passieren darf, erstrebt der Volkstrauertag.


Karl Malz

1. Bürgermeister

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